Warum haben es eigentlich immer die anderen? Und wer versteht wirklich was davon? Eine Spurensuche!
Was ist eigentlich Geld? Jeder hat es in der Tasche (oder heute in einer App, die so tut als ob), jeder will es, und doch weiß niemand so recht, was es eigentlich ist. Wenn man Wissenschaftler fragt, landen wir schneller im Begriffs-Dschungel aus M1, M2 und M3 als man „Dispo“ sagen kann.
Die Geldmenge ist ein Phantom: Überall wird sie anders berechnet, und das meiste davon existiert ohnehin nur als digitale Geistererscheinung – das Giralgeld. Die Zentralbanken hüllen sich derweil in Schweigen, der Bürger erfährt nichts, und die Politik weiss oft nicht einmal, welche Fragen sie stellen sollte.
Die magische Geldvermehrung
Wussten Sie, dass Banken moderne Alchemisten sind? Sie brauchen keinen Stein der Weisen, sondern nur eine Tastatur. Ein Sparguthaben von 100 Euro wird als Kredit vergeben, und schwupps – durch ständiges Weiterverleihen werden daraus 900 Euro. Nur die Mindestreserve verhindert, dass das Spiel komplett ins Unendliche eskaliert. Das ist wie bei einer Party, bei der man aus einer einzigen Flasche Wein zehn Gläser füllt und am Ende alle Gäste felsenfest behaupten, sie hätten jeweils eine ganze Flasche getrunken.
Von Silberflotten zu Sternenstaub
Früher war alles einfacher: Gold. Man konnte es sehen, es glänzte, und man konnte darauf beißen (nicht empfohlen). Aber der Wert war auch damals schon reine Einbildung – ein Metall ist nur so viel wert, wie der nächste Verrückte bereit ist, dafür zu zahlen.
Schon früh setzten die Athener auf Silber und begründeten so ihren Reichtum – nur um ihn prompt in Kriegsschiffe gegen Sparta zu investieren. Denn Hand aufs Herz: Der Hauptgrund für die Erfindung von grossem Geld war schon immer die Finanzierung von Kriegen. Kaiser verschuldeten sich, während der Reichtum weniger Familien Jahrhunderte überdauerte. Sie waren so schlau das flüchtige Geld rechtzeitig in Grund und Boden zu tauschen. Geld hat nämlich ein eingebautes Problem: Es verliert irgendwann immer das Vertrauen.
Die Moderne: Krypto-Mining und Finanz-Casino
Heute verballern wir Unmengen an Energie, um digitale Rätsel zu lösen („Mining“), damit wir mit Kryptowährungen zahlen können. Hurra, wir brauchen keine Zentralbank mehr! Nur gibt es mittlerweile mehr Kryptowährungen als Sand in der Wüste. Durch die extreme Zockerei ist der Wert so stabil wie ein Kartenhaus im Föhnwind.
Während wir auf den Bitcoin schwören, hoffen wir eigentlich nur, dass wir reich werden, bevor der Quantencomputer kommt und die ganze Herrlichkeit in Nullen auflöst. Die schöne Idee einer einfachen, sicheren Verrechnung via Blockchain? Geopfert auf dem Altar der Spekulation.
Und dann sind da noch die „strukturierten Produkte“: Derivate, Optionen, Puts – Begriffe, die so kompliziert klingen, dass man gar nicht merkt, wie Hedgefonds darin Vermögen vernichten. Es ist ein Casino, in dem die Bank immer gewinnt. Und falls sie doch mal verliert? Kein Problem, neues Geld ist ja nur einen Tastendruck entfernt.
Der Banker versus der Müllmann
Man sagt, Geld honoriere Leistung. Träumen Sie weiter. Während der Banker im klimatisierten Büro mit Markterwartungen jongliert, räumt der Müllmann den realen Dreck weg. Am Ende landen bei Lotterien oder Versicherungen nur Bruchteile der Einsätze wieder dort, wo sie herkam. Wohin der Rest fliesst? Wahrscheinlich in dasselbe schwarze Loch, in dem auch meine Socken nach dem Waschen verschwinden.
Die Krise als Dauerzustand
Haben wir eine Benzinkrise? Oder eine Geldkrise? Die Preise steigen, die Erwartungen werden geschürt, und das Geld fliesst verlässlich in die Staatskassen und zu den Ölkonzernen. „Das muss so sein“, flüstert die Wirtschaft. Immerhin gibt es Pragmatiker: Wer immer für exakt 50 Euro tankt, dem kann die Inflation egal sein – zumindest solange, bis der Tankwart das Auto nur noch mit der Pipette befüllt.
Wir könnten Güter ohne Ende produzieren, aber vielen fehlt schlicht das Geld, sie zu kaufen. Stattdessen nutzen wir das Arbeitsamt als Mahnung an den Rest: „Seid fleissig, sonst droht der Abstieg!“ Ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Selbstbestimmung? „Nicht finanzierbar“, rufen jene, die die Geldflüsse kontrollieren.
Der Kreislauf des Wassers (und des Geldes)
Man müsste die Geldflüsse mal verfolgen. Es ist wie beim Wasser: Irgendwo sammelt es sich immer an – meistens in den tiefen Taschen der Reichsten. Dort bleibt es liegen. Eigentlich bräuchten wir ein System, in dem das Geld „verdampft“ und als sozialer Regen wieder gleichmäßig auf alle herabrieselt. Physikalisch wäre das logisch. Und siehe da: Heute regnet es tatsächlich wieder. Nur sind es leider keine Batzen.
Und was ist jetzt mit dem Batzen?
Nun sitze ich hier und schreibe für den Glarner Batzen, einer Lokalwährung. Und die bittere Wahrheit ist: Ich weiss auch nicht, was Geld im Kern eigentlich ist. Vielleicht ist es wie mit der Liebe: Man kann sie nicht erklären, sie sorgt für jede Menge Unheil, aber ohne sie ist das Leben verdammt leer.
Der Glarner Batzen hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Er ist hier, er ist real und er bleibt in der Region. Er finanziert keine fernen Kriege und verschwindet nicht in anonymen Hedgefonds. Und das ist im Vergleich zu den Luftschlössern der Hochfinanz doch schon mal eine ganze Menge wert.

