Chiemgauer – Überblick
- Region: Chiemgau, Bayern (Rosenheim, Traunstein, Prien)
- Start: 2003 als Schülerprojekt an der Waldorfschule Prien
- Form: Papier- und elektronische Währung
- Wechselkurs: 1 Chiemgauer = 1 Euro
- Umlaufsicherung: 6 % pro Jahr (Wertminderung, um Umlauf zu fördern)
- Akzeptanzstellen: rund 440 Betriebe und Vereine
- Umsatz: ca. 6 Mio EUR pro Jahr
- Rücktausch: möglich, 5 % Gebühr
- Gemeinnutz: 3 % des Wechselbetrags gehen an regionale Vereine
Erfahrungen
- Positiv:
- Bindet Kaufkraft in der Region und fördert kleine Betriebe
- Spürbarer Zusatznutzen für Vereine durch Rücktauschspenden
- Hohe regionale Identifikation, mediale Aufmerksamkeit
- Bindet Kaufkraft in der Region und fördert kleine Betriebe
- Herausforderungen:
- Hoher organisatorischer Aufwand (Coupons, Abrechnung, Umlaufsicherung)
- Für Verbraucher oft zusätzlicher Umtauschschritt → geringere Spontanverwendung
- Digitalisierung nötig, um attraktiv zu bleiben (seit 2011 gibt’s E-Chiemgauer)
- Hoher organisatorischer Aufwand (Coupons, Abrechnung, Umlaufsicherung)
Links
- Offizielle Website: https://www.chiemgauer.info
- Hintergrund & Statistik: Wikipedia – Chiemgauer
- Bericht aus der Praxis: Forum CSR – Regionalgeld
Ja, gerne
Schauen wir uns an, warum der Chiemgauer überlebt hat, während viele andere Lokalwährungen wieder verschwunden sind – und was man daraus lernen kann.
1. Erfolgsfaktoren des Chiemgauer
| Faktor | Beschreibung | Wirkung |
| Klares Ziel | „Region stärken + Vereine unterstützen“ – einfach zu verstehen. | Hohe Identifikation, leichte Kommunikation. |
| Schülerprojekt mit Medienaufmerksamkeit | Start an Waldorfschule Prien, viele Medienberichte zum „Geld der Schüler“. | Bekanntheit von Beginn an. |
| Dichtes Händlernetz | Über 400 Akzeptanzstellen im überschaubaren Gebiet. | Hohe Nutzbarkeit im Alltag. |
| Spendenmechanismus | 3 % Umtauschbetrag fließen an Vereine nach Wahl des Kunden. | Vereine werben aktiv neue Nutzer. |
| Umlaufsicherung | 6 % p.a. Wertverlust bei Nichtnutzung – animiert zum schnellen Ausgeben. | Ständige Zirkulation des Geldes. |
| Digitale Variante | Seit 2011 als E-Chiemgauer verfügbar. | Weniger Hürde im Alltag, modernisiert das Konzept. |
2. Warum viele andere Lokalwährungen scheitern
| Problem | Auswirkung |
| Zu kleines Händlernetz | Nutzer finden zu wenig Gelegenheiten, das Geld auszugeben. |
| Zu komplexes Konzept | Umlaufsicherung, Tauschgebühren oder komplizierte Regeln schrecken ab. |
| Fehlende kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit | Interesse erlischt nach der Startphase. |
| Keine Anreize für Händler | Ohne Vorteil gegenüber Euro-Kundschaft akzeptieren Händler ungern Zusatzaufwand. |
| Keine digitale Umsetzung | Papiergeld wirkt altmodisch, gerade bei jungen Zielgruppen. |
3. Was man für ein eigenes Konzept übernehmen könnte
- Klare Botschaft – wenige, starke Argumente: „Geld bleibt in der Region“ und „Vereine profitieren“.
- Partnerschaften – von Beginn an Vereine, Schulen, Händler und Medien einbinden.
- Einfachheit – Wechselkurs 1:1 zum Euro, keine komplizierten Rechenwege.
- Belohnungssystem – z. B. Rabatt, Treuepunkte oder Spendenanteil.
- Digitaler Start – gleich mit App oder Weblösung beginnen, Papier nur optional.
- Regionale Events – z. B. Märkte, bei denen nur die Lokalwährung gilt, um Sichtbarkeit zu schaffen.
- Netzwerk-Effekt – Händler werben Kunden, Kunden werben Händler, Vereine werben beide.
Das Beispiel vom Chiemgauer ist aufbauend, der Glarner Batzen etwas radikaler, ich habe mir die 10% überlegt, dass es spürbar ist. Häufig sind Lokalwährung nur Gutscheine, die wenig zu einem Geldkreislauf beitragen.
